Die Rasse
Schwere Pferde haben in England eine lange Tradition. Die Anfänge des heutigen Shire Horses lassen sich bis auf König Wilhelm, „der Eroberer“ (1027 bis 1087) zurückführen. Im Jahre 1066 führte König Wilhelm „der Eroberer“ „Great-Horses“ nach Britannien ein, welche die damaligen Kaltblüter an Größe deutlich übertrafen. Erklärtes Zuchtziel zu dieser Zeit war die Erzeugung von Pferden, welche als Gewichtsträger Reiter mit Rüstung tragen konnten. Mit der Veränderung der Kriegsführung und des Verschwindens von Reitern entstand ein neuer Bedarf nach starken Zug- und Arbeitspferden.
In den folgenden Jahrhunderten erfolgte wiederholt der Import von schweren Kaltblutpferden aus Holland und Flandern. Ca. seit dem 14. Jahrhundert erfolgte eine Reinzucht auf dem Gebiet des heutigen Englands. Dabei profitierte diese Reinzucht sehr von einer Protegierung durch die herrschenden Monarchen, welche sehr strikte Zuchtziele festlegten und kleinwüchsige Tiere von der Zucht ausschlossen. Das heutige geführte Stutbuch geht bis auf den ersten offiziellen Shire Horse Hengst „Balze“, welcher 1770 geboren wurde, zurück.
Die rasch einsetzende industrielle Revolution brachte einen hohen Bedarf an Arbeitspferden mit sich. Im 19. Jahrhundert erfolgte dann der allmähliche Niedergang der Rasse durch die Entwicklung der Eisenbahn und der Dampfmaschinen. Um ca. 1850 erfolgte die Abspaltung der Clydesdales durch eine lokale Zucht in Schottland.
Nach dem Ende des zweiten Weltkriegs kam es fast zum Aussterben der Shire Horses. Nur durch das ausgeprägte Traditionsbewusstsein einiger weniger englischer Züchter und vor allem durch das Engagement englischer Brauereien, die auf ihre Repräsentationspferde nicht verzichten wollten, begann Anfang der 60er Jahre der Neuaufbau der Zucht, wie wir sie heute finden.
Die gesamte weltweite Zucht wird zentral von der Shire Horses Society in England in Zusammenarbeit mit Tochterorganisationen, in vielen Ländern der Erde geleitet. Dabei ist es immer wieder beeindruckend zu beobachten wie bei der jährlichen Shire Horse Spring Show in Peterborough und bei den zahlreichen Country-Shows im ganzen Land englische Pferdezüchter mit gewaltigem Enthusiasmus und Stolz sich für die Zucht und für die Erhaltung dieses englischen Kulturgutes einsetzen.
Haltung
Generell ist anzuraten, sich vorsichtig an die Haltung eines Shire Horses heranzuwagen. Denn bereits der erste Kontakt könnte süchtig und abhängig von diesen wunderbaren Tieren machen. Diese Pferde haben eine unglaubliche sanfte und majestätische Ausstrahlung und drängen sich einem förmlich als Freizeitpartner auf. Dabei werden sehr schnell einige Probleme, die mit dem größten Pferd der Welt auftreten, übersehen.
Das erste größere Problem ist die Größe des Pferdes. Shire Horses können nun einmal eine Widerristhöhe von 1,90 m und mehr erreichen, weswegen eine normale Warmblutbox zu klein ist. Selbst die klassische Faustregel 2 x Widerristhöhe im Quadrat ergibt einen noch nicht optimalen Wert. Wir empfehlen Boxengrößen von mindestens 16 qm mit dazugehörigem Paddocks von nochmals 16 qm. Ja nach Pferd werden Sie dann trotzdem noch das Gefühl haben, dass die Box etwas größer sein könnte.
Das zweite Problem sind gewaltige Hufe von Pizzagröße, welche durchaus eine Herausforderung für einen „normalen“ Hufschmied sein könnte. An Futterkosten sollten Sie ungefähr 1.200,00 €/Jahr kalkulieren. Bei entsprechender Haltung und gesunder Zucht halten sich die Tierarztkosten im Rahmen eines Warmblüters. Etwas schwieriger wird die Wahl des Zaumzeuges und des Satteln, bedingt durch die Größe. Der große Vorteil liegt allerdings darin, dass kein Ponyhalter ihr Zaumzeug mit ihrem verwechselt.
Shire-Horses sind keine Sportpferde! Zwar ist es möglich, die Tiere bis zur L-Dressur auszubilden; Springen und das längere Galoppieren verbieten sich aber aufgrund des Gewichts (bis 1.200 kg) von selber. Shire Horses sind ausgesprochen gute Schrittpferde, die sich aufgrund ihrer Nervenstärke hervorragend für Landschaftritte eignen. Des Weiteren bieten sich Shire-Horses natürlich als Kutschpferde an, wo sie auch heute noch gerne zu
Repräsentationszwecken eingesetzt werden.

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