Rasseninfos

Clydesdale ist ein kraftvolles Kaltblutpferd, welches lokal in Schottland im 18. und 19. Jahrhundert herausgezüchtet wurde. Es besteht eine enge Verwandtschaft mit dem Shire-Horse. Zur genetischen Verbesserung wurden in der Vergangenheit wiederholt Clydesdale in Shire-Linien eingekreuzt.

Clydesdale-Horses werden häufig als die Schwesternrasse des Shire-Horses angesehen.

Die Clydesdale-Horses stammen aus Schottland, wo sie in der jetzigen Form herausgezüchtet wurden. Sie erhielten ihren Namen nach der Region um den Fluss Clyde, heute Lanarkshire.

Zwischen Shire-Horses und Clydesdales gibt es eine Menge Parallelen. Je nach Sichtweise und Bedarf wurde jede der beiden Rassen durch Einkreuzung der Anderen verbessert. Diese Praxis ist auch heute durchaus noch anzutreffen.

Bereits Ende des 17.Jahrhunderts soll der Duke of Hamilton 6 Fahrpferde aus Flandern nach Strathaven gebracht haben, die er den umliegenden Bauern zur Zucht mit ihren schottischen Pferden zur Verfügung stellte.

Heute wird der Beginn der Clydesdale-Zucht auf die Zeit zwischen 1715 und 1720 datiert, als ein gewisser John Peterson of Lochlyoch einen flämischen Hengst von England nach Schottland brachte. Durch das gesamte 18. Jahrhundert hindurch verbesserte dieser die Qualität der dortigen Stuten erheblich.

Einer seiner Neffen namens Sommerville of Lampits kaufte 1808 eine 2jährige Stute, die als ‘Lampits Mare‘ berühmt wurde, und 1810 erstand er den legendären Hengst Glancer, auch ‘Thompson‘ Black Horse‘ genannt nach seinem Besitzer James Thompson of Germission. 1850 existierten schon mehrere Blutlinien.

Zu diesem Zeitpunkt wurde die Clydesdale-Zucht durch 2 Persönlichkeiten geprägt.

Der eine war Lawrence Drew, der der Land-Steward des Duke of Hamilton auf Merryton war und früh die Bedeutung von guten Arbeitspferden erkannte.

Der Ruhm dieses Gestütes auf Merryton wurde hauptsächlich durch den berühmten Hengst ‘Prince of Wales‘ und seine Nachkommen ‘Hiawatha‘, ‘Apukwa‘ und ‘Fyvie-Sensation‘ begründet.

Die zweite wichtige Persönlichkeit für die Clydesdale-Zucht war der Pferdehändler Davie Riddell. Er entdeckte den gewaltigen Markt für Arbeitspferde weltweit und exportierte in großem Stil die besten Pferde nach Amerika, Australien, Neuseeland und nach Kontinentaleuropa. Daneben war er aber auch Züchter und besaß ‘Darnles‘, aus dessen Blutlinie die berühmten Hengste ‘Sir Everard‘, ‘Baron’s Pride‘, ‘Baron of Buchlyvie‘ und ‘Dunure Footprint‘ entspringen sollten.

Ähnlich wie in England bei den Shire-Horses wurde auch die Clydesdale-Zucht durch den König gefördert. Insbesondere für die Entwicklung der Landwirtschaft waren Clydesdales von großer Bedeutung. Dabei wurde weniger Wert auf die Größe gelegt wie bei den Shire-Horses als vielmehr auf die Tauglichkeit für die Landwirtschaft.

Auch heute sind die Clydesdales i. d. R. etwas kleiner als die Shire-Horses; daraus resultiert ein geringeres Gewicht, eine höhere Wendigkeit und eine geringere Gelenkbelastung.

Bedingt durch die Auswanderungswellen aus Schottland gibt es große Vorkommen von Clydesdales in Kanada und in USA sowie in Neuseeland und Australien.

Zu großen Ruhm brachten es die Clydesdales als Zugpferde vor den legendären Bauereiwagen von Anheuser-Busch in den USA. Geradezu legendär ist die Auslieferung des ersten Budweiser Biers an Präsident Franklin D. Roosevelt in das Weiße Haus nach Beendigung der Prohibition im Jahr 1933.

Der Rassestandard der Clydesdales wurde im
frühen 20. Jahrhundert wie folgt definiert (‘The Standard Cyclopedia of Modern Agriculture):

Das Clydesdale verfügt über ein temperamentvolles Erscheinungsbild und ist ein sehr aktives Pferd. Es wurde zwar nicht für die hohe Aktion eines Hackneys gezüchtet, aber Aktion muss auch ein Clydesdale zeigen. Ein Clydesdale-Zuchtrichter wird das Wort jedoch mit ganz anderer Bedeutung benutzen:

Während ein Bewerter von Hackneys damit eine hohe Knieaktion in den Gängen meint, bezeichnet der Clydesdale-Richter mit ‘Aktion‘ ein hohes und deutliches Abfußen ohne jedwedes Entlangschleifen des Hufes, sodass der Fuss bei jedem Schritt sauber vom Grund abhebt und das Innere der Hufeisen dabei deutlich von hintenzu sehen ist. ‘Aktion‘ bedeutet für den beurteilenden Richter eines Clydesdaleauch immer Bewegungsgenauigkeit.

Die Vorderbeine sollen gerade unter den Schultern stehen – nicht bodenweit wie bei einer Bulldogge –, die Beine sind kräftig und fallen gerade aus der Schulter bis zum Fesselgelenk. Knieweite Stellung oder ein Aneinanderschlagen der Gelenke sind nicht erwünscht. Die Hinterbeine stehen eng zusammen mit eher nach innen als nach außen gedrehtem Sprunggelenk, die Oberschenkel sind lang zum Sprunggelenk hingezogen und die Unterschenkel von Sprunggelenk bis zu den Fesseln gerade und kräftig. Säbelbeinigkeit gilt als schwerer Fehler, da sie zum Verlust der Hebelwirkung führt.

Ein Zuchtrichter oder Bewerter von Clydesdales beginnt bei der Musterung einesPferdes immer mit der Untersuchung der Hufe. Diese sollen flach und rund wie der Gummihammer eines Maurers sein. Die Hufkrone ist weit und elastisch ohne Verdacht auf Verdickungen, die zu Knorpelverhärtungen führen könnten (‘Schale‘). Ein Clydesdale ist langgefesselt und das Fesselbein sollte entlang der Linie von Hufkrone zu Fesselkopf einen Winkel von 45° bilden. Zu lange Fesseln sind unerwünscht, aber auch sehr selten. Eine Fehlstellung, auf die man Acht geben sollte, ist das ‘rückbiegige Vorderknie‘. Das Karpalgelenk ist dabei nach hinten überstreckt, sodass es so wirkt, als gäbe es eine korrekte Winkelung, was jedoch täuscht, da dies nicht der Winkel ist, der von Fesselgelenk und Hufkrone gebildet wird. Diese Beinstellung ist unansehnlich und bedeutet einen echten Mangel.

Ein Clydesdale sollte eine schöne offene Stirn besitzen, zwischen den Augen breit ausgebildet sein, ein gerades Profil (weder einen Rams- noch einen Hechtkopf), ein breites Maul, weite Nüstern, helle, klare, intelligente Augen und große Ohren haben.  Der schön aufgewölbte, lange Hals ist dabei gut aufgesetzt auf einer schrägen, gut gelagerten Schulter mit hohem Widerrist. Der Rücken ist kurz und kräftig und die Rippen gehen in mittlerer Rumpfbreite fassreifenartig von der Wirbelsäule ab. Die Hinterhand ist lang und der Oberschenkel gut bemuskelt mit starken Sehnen. Das Clydesdale hat breite, trockene, klar definierte Sprunggelenke und große, vorne breitflächige Knie (Karpalgelenke). Ein durch und durch gut gebauter, typischer Clydesdale vermittelt den Eindruck von Stärke und Aktivität mit einem Minimum an überschüssigem Körpergewebe… Die zugrundeliegende Idee ist nicht Größe und Masse, sondern Qualität und Gewicht.

1877 gründete sich die Clydesdale-Horses Society bis zum heutigen Tag. Sie vereint heute ca. 700 Mitglieder und hält das Erbe dieser wunderbaren Tiere hoch.

Im Vergleich zum letzten Jahrhundert werden auch die Clydesdales immer größer, schwerer und höher. I. d. R. haben sie eine bessere Aktion beim Laufen und Traben, als die Shire-Horses. Grob gesagt kann man heute davon ausgehen, dass die Clydesdales in Kanada und in USA deutlich größer als die jetzigen schottischen Clydesdales sind, womit allerdings die Züchtung und Eignung für die Landwirtschaft zu Gunsten von Repräsentationszwecken deutlich abnimmt. Es bleibt abzuwarten, welche Zuchtentwicklung – die kanadisch-amerikanische oder die schottische – die Rasse mehr voranbringt.

Hervorstechendes Merkmal aller Clydesdales ist ihre absolute Menschenbezogenheit, die sie zu einem hervorragenden Partner für ältere Menschen, für Seniorenreiter, aber auch für Kinder und Jugendliche macht. Nichtsdestotrotz sind sie auf Grund ihrer Größe und Masse natürlich keine Kinderpferde.

Weiterführende Literatur:

Mary Bromilow „The Clydesdale- Workhorse of the World“ Argyll Publishing 2011